Historische Informationen zum Lamm Cabrio

 

Das Lamm-Cabrio ist eines der seltensten und qualitativ hochwertigsten Mini-Cabrios überhaupt. Neben dem späteren Rover Werks-Cabrio, dessen Vorläufer das Lamm-Cabrio ist, ist es der einzige Cabrio Umbau, der im Auftrag des britischen Mutterkonzerns Rover hergestellt wurde. Von 1991 bis 1993 wurden zunächst 75 Lamm-Cabrios für Rover gebaut, es gab eine Nachlieferung von ca. 25 Stück, also insgesamt 100 Autos. Alle für Rover gebauten Cabrios hatten einen 1275 ccm Motor, 13-Zoll Felgen und waren dunkelrot-metallic (Pearlescent Cherry Red). Andere Farben gab es zunächst nicht, da die Kunststoffschürzen durchgefärbt sein mussten, was mit mehreren Farben zu aufwendig gewesen wäre. Die meisten Autos wurden bei der Firma Frascoia lackiert, später auch in Offenburg bei der Firma Ruder. Neben den Modellen für Rover wurden insgesamt höchstens noch mal 60 bis 75 Fahrzeuge in unterschiedlichen Farben und Ausstattungen gebaut.

 

Stückzahl

Ca. 100 Cabrios für Rover, alle Dunkelrot-Metallic

Weitere 60 bis 75 Cabrios in unterschiedlichster Ausstattung

 

Baujahre

Lamm Cabrio: 1991 bis 1993 (weitere einzelne Exemplare ab 1988 bzw. nach 1993)

Rover Werks-Cabrio: 1993 bis 1996

 

Die Vertragsverhandlungen mit Rover England hat damals ein Vermittler in Waldulm nahe Offenburg im Schwarzwald durchgeführt (Lamm konnte kein Englisch), das gleiche gilt für den Einkauf von Zubehör (Corbeau Sitze, etc.). Auch die Dachgestelle für die Rover-Autos und einige mehr wurden damals alle dort in einer Scheune in Handarbeit montiert.

Das graue Cabrio mit dem hellgrauen Verdeck auf dem damals hergestellten offiziellen Werbe-Prospekt ist mit großer Wahrscheinlichkeit Baujahr Juli 1989. Von weiteren Fahrzeugen mit hellgrauem Verdeck ist nichts bekannt. Für diverse Zeitschriften wurden in den Weinbergen von Tiergarten/Ringelbach/Waldulm Fotoaufnahmen mit einem knallroten Cabrio angefertigt.

 

Dass es die Firma Lamm nicht mehr gibt hatte mehrere Gründe, die Cabrios hätten den Laden retten können wenn es nicht vorher und nachher ein paar unglückliche Episoden aufgrund, sagen wir mal, "Missmanagement" gegeben hätte. Lamm war ein genialer Konstrukteur aber ein lausiger Geschäftsmann. Interessant ist der damals von Rover durchgeführte Crash -Test mit dem Lamm-Cabrio, es schnitt in Aspekten wie z.B. Formstabilität der Fahrgastzelle besser ab als die Mini-Limousine. Ein Video von den Crash-Tests existiert angeblich noch. Die Lenksäule kam bei dem Crashtest deutlich weniger weit in den Innenraum als beim normalen Mini.

 

Frühe Exemplare erkennt man übrigens am hell verzinkten Verdeckgestänge. Spätere Gestänge ab Bj. 1990 waren schwarz verzinkt (alle Rover-Exemplare). Frühe Exemplare hatten auch noch recht grob ums Blech ausgeschnittene Front und Heckschürzen. Weiterhin haben die vor-Rover Exemplare als Gurtbefestigung einen simplen, kleinen Stahlwinkel. Alle Rover-Exemplare hatten einen ca. 15cm hohen Aufsatz auf der B-Säule. Frühe Exemplare wurden mit einer Säge abgesägt, Rover schlug vor und lieferte die Plasma-Schneider für eine Zeitersparnis. Alle Schablonen mussten dafür neu angefertigt werden. Die Holzarmaturenbretter wurden alle von Lamm geliefert, Rover gelang es nicht den Hersteller ausfindig zu machen. Der deutsche Importeur hielt dicht : -)

 

Rover bekam vor der Serienfertigung drei Fahrzeuge zum Testen. Daraus ergab sich u.a. das schwarz verzinken der Dachgestelle und die geänderten Gurtbefestigungen. Die Autos wurden in Waldulm nackt, ohne Ausstattung angeliefert und das was Lamm von der Ausstattung benötigte wurde in einer großen Kiste pro Auto mitgeliefert.

 

Zum Gerücht über das Werkscabrio:

  1. Rover baute dieses Auto entlang der Ideen des Lamm-Cabrios, konnte aber natürlich nicht eine exakte Kopie bauen denn Lamm wollte die Rechte nicht abgeben. Erst Ende 1997 hat die Firma „Mini & more“ in Achern die Rechte am Lamm-Cabrio von der Firma Lamm übernommen.
  2. Musste das Auto sehr viel billiger in der Herstellung sein. Die Rotstiftabteilung von Rover strich einiges an "überflüssiger" Stabilität heraus. Es ist nachweislich nicht so verwindungssteif wie der Lamm-Umbau. Rover hatte Angst gehabt, dass sich das Auto in dem Preissegment der Lamm-Cabrios nicht verkaufen ließe und dass die Kunden zu hohe Ansprüche entsprechend der Preisklasse stellen würden. Deswegen versuchte man mit dem Werkscabrio eine Preisklasse tiefer zu kommen.
  3. Das Werkscabrio wurde nicht bei Rover direkt gebaut, sondern von einem in England renommierten Subunternehmer.

 

(Quelle: GvA, 19.10.2003)